CEO · Klöckner & Co
„Vom Stahlhändler zum Metallverarbeiter: Wie Klöckner & Co sich neu erfindet“
1906 gegründet und traditionell im Ruhrgebiet verwurzelt, ist Klöckner & Co heute mit Hauptsitz in Düsseldorf einer der größten Stahl- und Metallhändler und -verarbeiter in Europa und Nordamerika. Rund 60 % des Geschäfts entfallen auf Nordamerika, 25 % auf Deutschland und 15 % auf die Schweiz – mit dem Zusammenschluss mit Worthington Steel wird das Nordamerika-Geschäft weiter ausgebaut.
Im Gespräch mit Bastian Lopez Estrada spricht CEO Guido Kerkhoff über den Umbau vom Handel zur Weiterverarbeitung, über Investieren in der Krise, KI im Vertrieb und die Frage, warum der Standort Deutschland mehr Chancen hat, als oft gesagt wird.
„Das Einzige, was man sich in seinem Leben von Geld kaufen kann, ist Unabhängigkeit.“
— Guido Kerkhoff
Der reine Handelsanteil sank von rund 40 % auf 13 %. Kunden wollten nicht nur Stahl, sondern fertige Baugruppen aus einer Hand, und Klöckner hat sein Geschäft entsprechend umgebaut.
Von 2021 bis 2024 wurden Investitionen trotz Zyklik nicht gestoppt. Der Effekt: Kunden sehen Verlässlichkeit und bleiben oder kommen dazu.
Die Idee eines rein digitalen „Amazon des Stahls“ scheiterte. Der USP ist das Wissen, wer was liefern kann. Heute standardisiert KI die Qualitäten von über 100.000 Produkten und beschleunigt den Vertrieb.
Deutschland kann vom Rohstoff bis zum Endprodukt vieles selbst herstellen. Mit Deglobalisierung und Versorgungssicherheit wird regionale Wertschöpfung wichtiger, nicht unwichtiger.
Wohlstand erhält man nicht von allein. Wer Verantwortung übernimmt, muss zuerst liefern, bevor das Feedback kommt. Und Unabhängigkeit heißt: jederzeit gehen können, ohne sich über den Job zu definieren.
Guido Kerkhoff ist seit 2020 CEO von Klöckner & Co. Zu seinen früheren Stationen gehören Bertelsmann, die Deutsche Telekom und thyssenkrupp, wo er zunächst als CFO und kurzzeitig als CEO tätig war.
Im Zivildienst arbeitete er in der Altenpflege, eine Erfahrung, die ihn nach eigenen Worten bis heute prägt. Er moderiert den Initiativkreis Ruhr und setzt sich für engere Verzahnung von Industrie, Politik und Wissenschaft ein.